Archiv der Kategorie: Japan

Der Frosch im Brunnen ahnt nichts von der Weite des Meeres.
-Japanische Weisheit

Life is better at the beach

Die erste Augustwoche habe ich in Kobe verbracht. Abgesehen von zwei kurzen Ausflügen nach Kioto und Osaka. Unser Zimmer war zwar sehr klein aber dafür direkt am Strand, sodass der erste Blick morgens aus dem Fenster das Meer war! Abends konnte man das Meer rauschen hören… Und die Züge, die ab und zu vorbeirasten.

Bei einem Outlet-Center in der Nähe gab es einen Eisladen, bei dem wir uns eine kleine Erfrischung gegönnt haben. Während der Zubereitung wurden wir von den Verkäufern gefragt, ob es okay sei wenn sie singen würden. Ja, richtig gelesen, SINGEN! Etwas irritiert haben wir es ihnen „erlaubt“ und schon ging es los. Die beiden Verkäufer sangen irgendein englisches Lied mit stark japanischem Akzent, sodass ich nichts verstanden habe, während sie uns anlächelten und die Eiskugeln verzierten. So ein musikalischer Eisladen ist sogar für Japan verrückt! Aber amüsant war es allemal.

Am letzten Abend waren wir mit meinen Großeltern wieder bei einem Bonodori-Fest. Bei dem vorgeführten Bonodori-Tanz werden die Zuschauer immer eingeladen mitzutanzen. Der Tanz ist nicht sonderlich schwer aber man sollte schon die ungefähren Bewegungen kennen. Mein Opa dachte sich, dass geht auch ohne jegliche Tanzkenntnis und hat einfach mitgetanzt. Dass heißt, er hat seine Arme ein bisschen hin und her bewegt, während er den anderen im Kreis hinterher gelaufen ist. Sah schon sehr lustig aus…

mein tanzender Opa...
mein tanzender Opa…
Bonodori-Tanz
Bonodori-Tanz

Abgesehen von Einkaufen und Familie treffen, habe ich die Zeit hauptsächlich mit Baden und Essen verbracht. Es tat ganz gut, mal nicht jeden tag etwas zu besichtigen, denn auf die Dauer wird das schon etwas anstrengend.

31. Juli: Wildwater Rafting

Heute ging es zum Wildwater Rafting in Kiso-Fukushima. Wir waren eine Gruppe von sieben Personen, angeleitet von einem Gruppenleiter. Bevor es in das kleine Schlauchboot ging, wurde uns erklärt wie wir uns zu verhalten haben. Anders als angenommen saßen wir nicht im Boot, sondern auf dem Rand, um besser paddeln zu können. Nur bei sehr starken Strömungen mussten wir uns alle auf ein Kommando ins Boot setzen. Da der Fluss an den meisten stellen ziemlich seicht war, kam es schon mal vor dass wir mit dem Boot auf einem Stein hängen geblieben sind. In dem Fall mussten wir alle auf dem Rand auf und ab hüpfen, während der Leiter das Boot vom Stein gebracht hat. Neben mir saß ein etwas beleibterer Typ und immer wenn er gehüpft ist, hatte ich Angst vom Boot zu fliegen. Glücklicherweise habe ich es immer geschafft auf dem Boot zu bleiben.

Zwischendrin haben wir kleine Pausen gemacht um zu schwimmen. An einer Stelle konnte man sich in der Strömung treiben lassen, wenn man an die richtige Stelle im Fluss geschwommen ist. Beim ersten Versuch ist es mir leider nicht so gut gelungen, sodass ich erst einmal ins Wasser gedrückt wurde und das Flusswasser probieren durfte. Da wir aber alle Schwimmwesten anhatten, konnte schon mal keiner ertrinken. Das Wasser war sehr kühl und somit eine sehr angenehme Abkühlung bei den 35 Grad mit praller Sonne.

Bei einer Pause sind wir ans Ufer gegangen und haben unsere Füße in einem Fuß-Onsen gebadet. Das warme Wasser umhüllte meine Füße wie ein weiches Tuch und tat sehr gut. Aber keine Ahnung was ein Fußbad mit Rafting zu tun hat!
Die Rafting-Tour war echt lustig aber ich hatte mir etwas mehr darunter vorgestellt. Zum einen haben wir die sehr kurze Zeit zur Hälfte mit Schwimmen verbracht und zum anderen hatte ich mir mehr Action erhofft. Die lustigsten Stellen waren die kleinen Wasserfälle im Fluss. Sobald einer in Sicht war forderte der Leiter uns auf die Geschwindigkeit zu erhöhen. Immer schneller kam der Wasserfall auf uns zu. , während wir kräftig paddelten. Kurz vor dem Fall kam ein Kommando und alle sprangen in das Boot. Kaum saßen wir drin, ging es auch schon abwärts.

Nach der Tour hat uns netterweise ein Mann von dem Rafting-Club bis zum Bahnhof gefahren. Von dort aus sind wir dann zu einem Onsen gelaufen. Und wer stand da auf einmal bei der Rezeption?! Es war der Mann, der uns zum Bahnhof gefahren hatte. Lachend meinte er „Was ein lustiger Zufall!“.

P.S.: Die Fotos kriege ich leider erst später von dem Gruppenleiter.

30. Juli: Auf dem Weg der Samurai

Old but gold. Eine passende Bezeichnung für die beiden japanischen Städte Magome und Tsumago. Die meisten Häuser der beiden Städte wurden im 18. Jahrhundert in der Edo-Zeit gebaut. Um ihren alten Flair zu behalten (und Touristen anzulocken) wurden die Häuser restauriert. So kann man durch alte Gassen laufen, die so aussehen wie zu der Zeit der Samurai. Es wurden sogar extra die Strommasten versteckt um die Städte möglichst original aussehen zu lassen. (Normalerweise sieht man sie überall in den Städten.)

Es sieht echt sehr schön aus und man kann förmlich die Samurai und Fürsten durch die Straßen laufen sehen.

Tsumago
Tsumago

Die beiden Städte liegen auf dem Nakasendo, ein Weg der früher zum Sitz des obersten Generals (Shogun) führte. Wir sind einen Teil dieses Wegs gelaufen. Er führt durch alte Städte, Reisfelder und Wälder. Auch zwei Wasserfälle liegen auf dem Weg. In regelmäßigen Abständen gab es kleine Glocken am Wegesrand, mit der Warnung vor Bären. Ich hätte echt gerne welche in freier Natur gesehen!
Zwischendrin gab es eine kleine Raststätte bei der man kostenlos Tee bekommen hat. Der freiwillige Arbeiter dort hat uns erzählt, dass es neuerdings Bärenangriffe auf Menschen gab, bei denen letztere gegessen wurden! Von da an wollte ich dann keine Bären mehr sehen und habe dann doch immer schön laut die Klingel geklingelt.

Bärenklingel
Bärenklingel

29. Juli: Wolken sind der neue Fuji!

Seit einigen Tagen sind mein Bruder und ich nun mit meinem Papa unterwegs. Bevor es nach Kobe zu unseren Großeltern geht, werden wir eine Woche lang herum reisen.
Am Mittwoch ging es nach Fujinomiya, einer Stadt direkt am Fuß des Fujis. Da sind wir schon so nah am Fuji und können ihn trotzdem nicht sehen. Dafür jede menge Wolken! Ein Trost waren immerhin zwei schöne Wasserfälle.

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Gestern ging es nach Mitake Shosenkyo, eine von Japans schönsten Schluchten. Dort sind wir mit dem Bus ein Stück den Yasaburoudake-Berg hochgefahren und mit der Seilbahn bis auf die Spitze. Von oben hatte man einen sehr schönen Ausblick auf das umliegende Gebirge. Bei gutem Wetter ist es auch ein idealer Ort um den Fuji zu sehen. Wir durften stattdessen wieder Wolken betrachten. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich den Fuji diesmal nicht sehen werde…

schöner Blick auf die Umliegende Landschaft
schöner Blick auf die Umliegende Landschaft

In der Gegend gibt es viele Edelsteine und Kristalle, welche am Straßenrand verkauft werden. Ein Verkäufer wollte uns einreden, dass die Steine besondere Energie abgeben, wenn man sie berührt. Um uns zu überzeugen sollte mein Bruder seine linke Hand auf einen Stein legen und mit dem rechten Daumen und Zeigefinger einen Kreis formen. Anschließend hat der Verkäufer versucht die beiden Finger auseinander zu ziehen. Das Gleiche hat er ein zweites Mal gemacht, diesmal ohne dass mein Bruder den Stein berührt hat. Mysteriöserweise ist es dem Verkäufer nicht gelungen die beiden Finger auseinander zu ziehen, als mein Bruder den Stein berührt hat. Das muss wahrlich an der Energie des Steins liegen! Oder?!

ein energiespendender Stein
ein energiespendender Stein

Von der Seilbahnstation aus sind wir runter ins Tal gelaufen. Der Weg führte entlang des Alakawa-Flusses, durch das Gebirge. Es gab immer wieder Hinweise auf besonders geformte Steine im Fluss. Da waren zum Beispiel ein Affe, eine Robbe, Tofustücke (?!) oder ein Kamel. Ich will ja nichts sagen aber bei manchen Figuren brauchte man schon sehr viel Fantasie um sie zu erkennen… An einer Stelle gab es einen großen Stein auf dem ein sehr kleiner ballförmiger Stein lag. Es sah sehr interessant aus. Wie er wohl dort hingekommen ist?

ein kleiner Stein auf einem großen Stein
ein kleiner Stein auf einem großen Stein
Bär-Stein
Bär-Stein
selbst entdeckter Fuji-Stein
selbst entdeckter Fuji-Stein

Am beeindruckendsten fand ich wie groß die Steine im Fluss waren. Sie mussten alle mal von den Felsen oben runtergefallen sein. Eine ziemlich faszinierende Vorstellung. Wie das wohl ausgesehen haben muss…

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Auf dem Weg sind wir an einer kleinen Baustelle vorbeigekommen. Da wurde ernsthaft jemand dafür bezahlt neben der Baustelle zu stehen und auf diese aufmerksam zu machen! Gut, dass der Typ da stand, sonst hätten wir sie so mitten auf der Straße glatt übersehen…

26. Juli: Boxen und Riesenbuddha

Gestern war der letzte richtige Tag in Chiba und mit der Familie meiner Mutter. Mittags hat mein Onkel mich und meinen Bruder zum Boxtraining mitgenommen. Der Trainer ist ein guter Freund von meinem Onkel und hat sogar 1992 an der Olympiade in Barcelona teilgenommen. Ich fand es gut mal wieder richtig Sport zu machen, weil das auf Reisen für mich immer ziemlich schwer ist. Bisher war ich erst einmal Joggen, obwohl ich mir vorgenommen hatte jeden zweiten oder dritten Tag zu gehen. Hätte ich mir aber auch vorher denken können, dass es nicht so gut klappen wird mit dem Sport 😉. Nach dem Training ging es in einen Onsen, was wieder sehr entspannend war.

Mein Onkel gegen den Trainer
Mein Onkel gegen den Trainer

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Abends sind wir auf Mamas Wunsch alle zusammen zum Karaoke gegangen. Das gehört wie Sushi zu einem Japanbesuch dazu. Meistens ist es so, dass meine Mutter die ganze Zeit singt und alle anderen hören gelangweilt zu. Na gut, das ist etwas übertrieben ;-).

Heute haben wir vor dem Abschied mit meiner Mutter noch eine kleine Wanderung gemacht. Der sogenannte Daibutsu-Wanderweg liegt in Kamakura, nahe Tokyo. Sie führt durch eine sehr schöne Natur und vorbei an vielen Tempeln und Schreinen. Bei einem Schrein konnte man sein Geld mit Quellwasser waschen, um in Zukunft sein Vermögen zu vermehren. Versuchen kann man es ja mal…

Geld waschen...
Geld waschen…

Am Ende der Wanderung sind wir zum Daibutsu, einer großen Buddhastatue gekommen. Sie war sehr beeindruckend und hat mir gut gefallen.

der Daibutsu - Riesenbuddha
der Daibutsu – Riesenbuddha
die (ungleichen) Schuhe des Daibutsu
die (ungleichen) Schuhe des Daibutsu

Aus dem Zug haben wir noch eine Statue gesehen. Plötzlich ragte aus den Wäldern der Kopf einer weißen Figur heraus. Sie war nicht weniger beeindruckend als der Daibutsu aber leider sind wir nur kurz an ihr vorbei gefahren.

22. Juli Familientreffen, Sommerfest, Essen

Gestern waren wir in Kobe einige Verwandten aus der Familie meiner Mutter besuchen. Dort wohnt auch die Familie von meinem Vater, daher werden wir Anfang August nochmal dort hin gehen. 

Mit unseren Verwandten haben wir in einem Restaurant gegessen, in dem ein Großcousin von mir arbeitet. Es war für uns alle ein ziemlich großes Mehrgängemenü vorbestellt. Jedes Mal als ich dachte, dass ich satt bin, kam ein neuer Gang. Bis zum letzten Gang war ich schon so satt, dass wirklich nichts mehr rein passte. Dass dachte ich zumindest bis ich das Nachtisch-Menü gesehen habe. Nach dem Treffen mit den Verwandten war ich auf jeden Fall sehr sehr satt und voll. Dass kommt in Japan aber ziemlich häufig vor. Zum einen gibt es immer super leckeres Essen und zum anderen werden wir von unserer Familie auch mega verwöhnt. Ich finde, dass könnte immer so sein. Klar, will ich eigentlich auf meine Figur achten, da ich die nächste Zeit häufig am Meer sein werde und so. Aber bei gutem Essen kann ich einfach nicht Nein sagen…😁

Heute Abend zurück in Chiba haben wir zufällig gesehen, dass ein Bonodori-Fest in der Nähe stattfindet. Das ist ein Sommerfest bei dem man die Rückkehr der Seelen der Ahnen feiert. Häufig zieht man zu diesem Fest einen Yukata (Kimono für den Sommer) an. Daher wurden mein Bruder und ich dazu überredet, einen anzuziehen. Erst habe ich mich etwas unwohl gefühlt, weil es so ungewohnt war. Das letzte mal, dass ich einen Yukata anhatte war schon ziemlich lange her. Aber nach einer Weile habe ich sogar Gefallen daran gefunden. Ich finde es schön, dass es noch regelmäßig traditionelle Feste mit traditioneller Kleidung in Japan gibt. Denn mir ist aufgefallen, dass es in Deutschland eher seltener vorkommt.
Zum Abendessen gab es Sushi von meinem Onkel. Meiner Meinung nach das Beste auf der Welt! 😍

Mein Bruder und ich im Yukata
Mein Bruder und ich im Yukata…
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…Nein, die Nike-Badelatschen meines Bruders gehören eigentlich nicht zum Outfit
Trommelspieler
Trommelspieler