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Sumoringen

Jedes Jahr finden sechs mal 15 Tage am Stück die Sumo-Ringkämpfe in Japan statt. Vor einigen Tagen habe ich sie in Nagoya besucht. Es war überhaupt nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich fand es ziemlich erstaunlich, wie viele Ausländer an den Kämpfen teilgenommen haben. Dass liegt wahrscheinlich daran, dass man als (guter) Sumoringer sehr gutes Geld in Japan verdient. Ich könnte mir zwar niemals vorstellen so viel an Gewicht zuzunehmen nur um viel Geld zu bekommen aber ich nehme an, dass es den meisten auch Spaß macht.
Beim Sumoringen wird alles sehr traditionell gehalten, was ich ziemlich cool finde. Die Namen der Kämpfer werden am Anfang eines Kampfes von einem im japanischen Kimono gekleideten Mann laut vorgesungen. Nachdem die Sumoringer in den Kampfring gekommen sind und Salz auf den Boden gestreut haben (als Zeichen der Reinheit), begeben sie sich in der Mitte des Rings in Anfangsposition. Gegenüber stellen sich die beiden Kämpfer breitbeinig hin, gehen langsam in die Hocke und setzen ihre Hände vor sich auf den Boden ab. Wenn die Spannung steigt und man jede Sekunde das Startsignal erwartet, steht auf einmal einer von beiden auf und geht wieder an den Rand zurück. Dies passiert so oft, bis sich beide Kämpfer bereit fühlen und keiner von beiden mehr aufsteht. Dann gibt der Schiedsrichter (natürlich auch in Kimono gekleidet) das Startzeichen und beide Sumoringer gehen sofort aufeinander los. Kaum hat der Kampf begonnen, wird der eine Kämpfer schon aus dem Ring gedrängt oder berührt mit seiner Hand den Boden. Denn beides führt zu einem Sieg des anderen. Ich war ziemlich überrascht, als ich gesehen habe wie kurz die Kämpfe jeweils sind. Eigentlich hatte ich mindestens fünf Minuten erwartet aber stattdessen gingen sie nur einige Sekunden lang. Maximal eine Minute aber meistens weniger.

In Startposition..
In Startposition..

Obwohl ich mich eigentlich nicht fürs Ringen interessiere, habe ich jedes mal mitgefiebert, wenn die Kämpfe begonnen haben. So gingen die zwei Stunden die ich da war echt mega schnell vorbei. Am besten fand ich den letzten Kampf. Bei dem ist der schwerste (211kg) gegen den zweitleichtesten Ringer (133kg) angetreten. Letzterer war jedoch ein Yokozuna, sprich Mitglied des höchsten Rangs. Trotzdem war ich mir sicher, dass der Schwere gewinnen würde. 78kg Unterschied sind schließlich nicht zu unterschätzen. Wie gewohnt begaben sich die Ringer in Startposition und auf das Zeichen des Schiedsrichters gingen beide aufeinander los. Aber noch ehe der Schwere realisieren konnte, was mit ihm geschah, wurde er von seinem Gegner auf den Rücken geworfen! Es war echt faszinierend zu sehen wie der offensichtlich leichtere seinen Gegner in weniger als 3 Sekunden geschlagen hat. Da ist mir klar geworden, dass es beim Sumoringen nicht einfach darum geht der Dickste zu sein! Insgeheim hatte ich aber gehofft der Yokozuna würde verlieren. Dann wären nämlich Kissen geflogen… Dies passiert immer wenn jemand gewinnt, von dem das Publikum es nicht erwartet hätte. Und von einem Yokozuna wird natürlich ein Sieg erwartet!